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Was macht ein Bauingenieur?

Kay KochMai 2020

Bauingenieure bilden wortwörtlich das Fundament für unsere Gesellschaft: Energie- und Trinkwasserversorgung, Infrastruktur für Logistik und Verkehr sowie Arbeits- und Wohnräume – überall wirken sie mit.

Doch was macht man als Bauingenieur oder Bauingenieurin genau? Welche Voraussetzungen und Kompetenzen sind für den Beruf notwendig und wie sehen typische Aufgaben in dem Berufsbild aus?

Alle Infos findest du hier im Überblick. 

Inhalt

Definition: Bauingenieur

Bauingenieure betreuen Bauprojekte im Hochbau, Tiefbau, Verkehrsbau und Wasserbau. Je nach Größe des Projekts sind meist mehrere Bauingenieure beteiligt, jeweils mit eigener Spezialisierung, beispielsweise in Konzeption und Planung, Entwurf und Berechnungen, Konstruktion und Herstellung und dem späteren Betrieb.

Da sich Bauprojekte immer auch auf die Umwelt auswirken, beschäftigen sich Bauingenieure ebenfalls mit dem Umweltschutz, vor allem bezüglich Lärm- Gewässer- und Bodenschutz. Falls nötig, kommt auch die Schadstoffuntersuchung hinzu.

Daher gibt es nicht "den Bauingenieur" – abhängig von Spezialisierung und Interessengebiet arbeiten Bauingenieur in völlig unterschiedlichen Bereichen. Einige möchten wir dir hier vorstellen:

Konstruktiver Ingenieurbau

Im konstruktiven Ingenieurbau konstruieren und bemessen Bauingenieure Tragwerke, die die Grundlage für Bauwerke darstellen. Weitere Teilgebiete sind unter anderem dieBaustatik, Bauphysik, Baudynamik und der Stahlbau.

Bauinformatik

Hier gehts um die Entwicklung und Nutzung von Fachsoftware, die Bauingenieure bei ihrer täglichen Arbeit unterstützt. Ein Aspekt ist es, eine Grundlage für den Informationsaustausch zwischen allen Beteiligten (von Architekten bis zu politischen Stakeholdern) herzustellen.

Baubetrieb und Bauleitung

Das Baubetriebswesen beschäftigt sich mit allen organisatorischen Maßnahmen, bis ein Bauwerk fertiggestellt ist. Dazu gehören die Mengenermittlung, Ablaufplanung, Vorbereitung der Baustelle, Kostenplanung, Qualitätssicherung und Abrechnung.

Baustoffkunde

Baustoffprüfer untersuchen die unterschiedlichen natürlichen und künstlichen Baustoffe auf ihre grundlegenden Eigenschaften. Dabei geht es beispielsweise um die Festigkeit und jeweiligen Massen, sowie ihre Verformbarkeit, Wärmeleit- und Wärmespeichereigenschaften, Wasserdurchlässigkeit, Brandverhalten und Schalldämmungseigenschaften.

Wasser und Umwelt

In der Wasserwirtschaft spielt die Trinkwassergewinnung und -verteilung eine große Rolle, aber natürlich auch der Umgang mit Abwasser. Weitere Aufgaben können die Bewässerung von niederschlagsarmen Gebieten und die Trockenlegung von niederschlagsstarken Gebieten sein.

Verkehrswesen

Hier wird die nötige Infrastruktur für alle Verkehrsformen geschaffen. Das beinhaltet die Konzeption und Konstruktion, der Bauwerke, später aber auch die Instandsetzung und Erhaltung sowie notwendige Sanierungen bis hin zum Abriss.

Geotechnik

Geotechniker untersuchen den Boden, den Baugrund, auf dem gebaut werden soll. Sie sorgen dafür, dass das Fundament das Gebäude tragen kann. Ziel ist es nach Möglichkeit, dass sich die entstehenden Kräfte gleichmäßig verteilen und keine deutliche Veränderung verursachen.

Wie wird man Bauingenieur? Voraussetzungen und Fähigkeiten

Bauingenieurinnen und Bauingenieure sollten sich aufgrund der stark naturwissenschaftliche Ausrichtung für Technik begeistern, analytisch und logisch vorgehen und sich über einen längeren Zeitraum konzentrieren können. Vorteilhaft sind ebenfalls:

  • ein grundsätzliches Verständnis von mathematisch-naturwissenschaftlichen Zusammenhängen
  • innovatives und kreatives Denken
  • selbstständiges und eigenverantwortliches Arbeiten

Ausbildung & Studium

Um Bauingenieur oder Bauingenieurin zu werden, musst du ein Studium absolvieren. Das geht entweder an einer Berufsakademie, Fachhochschule oder Universität. Darüber hinaus kannst zwischen einem klassischen und einem dualen Studium wählen.

Genaueres zu den Unterschieden eines dualen und einem Uni-Studiums haben wir dir hier zusammengefasst.

Die Entscheidung solltest du bewusst fällen, denn alle Wege haben bestimmte Vor- und Nachteile. 

Beim klassischen Bauingenieurstudium an der Universität ist das Studium eher wissenschaftlich ausgerichtet. Es bereitet dich auf umfangreichere Planungs- und Bauaufgaben vor und eröffnet dir den Weg, später in den höheren öffentlichen Dienst zu gehen.

Im Bachelor dreht sich anfangs alles um naturwissenschaftliche Fächer und du lernst Grundlagen aus der Baustoffkunde und Konstruktionslehre. Im Verlauf des Bachelorstudiums werden alle Gebiete des Bauingenieurwesens behandelt. Im Masterstudium kannst du dich spezialisieren, beispielsweise im Bereich Baubetrieb, konstruktiver Ingenieurbau (Betonbau, Geotechnik, Stahlbau und Statik), Verkehrswesen oder Wasserbau.

Wenn du dich für ein klassisches Bauingenieurstudium entscheidest, solltest du darauf achten, dass Praxisteile vorgesehen sind (Berufspraktika oder ein ganzes Praxissemester) oder dich selbst um freiwillige Praktika oder Nebenjobs bemühen.

Je nachdem ob die Hochschule ein Praxissemester vorschreibt, liegt die die Regelstudienzeit für den Bachelor bei bei sechs oder sieben Semestern. Für den Master solltest du weitere drei bis vier Semester einplanen.

Das klassische Hochschulstudium bereitet sich vollumfänglich auf den Beruf des Bauingenieurs vor, ist aber sehr theoretisch orientiert. Wenn du es lieber praktisch hast, bietet sich ein duales Studium an. Ein weiterer Vorteil: Beim dualen Studium gibt es eine Ausbildungsvergütung – im deutschlandweiten Durchschnitt sind das etwa 1.300 Euro monatlich.

Dafür musst du allerdings gleichzeitig studieren und eine Berufsausbildung in einem Bauberuf absolvieren. Außerdem erwirbst du gleichzeitig zwei Abschlüsse – etwa Bachelor of Engineering und Maurer oder Maurerin. Duale Studiengänge gibt es an Fachhochschulen (auch HAW oder Hochschulen für Angewandte Wissenschaften genannt) und Universitäten.

Alternative Wege zum Bauingenieur oder zur Bauingenieurin führen über Berufsakademien, beispielsweise Berufsakademie Glauchau. Und auch im Fernstudium lässt sich ein Bauingenieurstudium absolvieren. Die Universität Duisburg-Essen und die TU Dresden bieten jeweils Bachelorstudiengänge an. Die Leibniz Universität Hannover hat ein Masterstudium im Angebot, das berufsbegleitend ist. Bei einem Fernstudium musst du mit einer verlängerte Studiendauer rechnen.

Qualifikationen & Fähigkeiten

Jedes Projekt ist anders, deshalb muss man als Bauingenieur oder Bauingenieurin mit Knowhow und Kreativität an die Umsetzung von Bauprojekten gehen. Bei der Arbeit sind auch Soft Skills wichtig, denn man hat mit den unterschiedlichsten Beteiligten zu tun: Baustellenteams, Bauüberwacher, Behörden.

Auch die Bereitschaft zur ständigen Weiterbildung ist elementar, denn in Zeiten von Klimakrise und Sandknappheit warten auf die Bauindustrie neue Herausforderungen.

Welche Aufgaben hat ein Bauingenieur?

Bauingenieurwesens ist ein breit gefächertes Berufsfeld. Welche Aufgaben und Tätigkeiten zum Alltag gehören, hängt davon ab, wo du arbeitest.

Typische Arbeitgeber sind Bauunternehmen. In einem Bauunternehmen arbeitest du als Bauingenieur oder Bauingenieurin zuerst als Projektleiter oder Projektleiterin und kannst später die Abteilungsleitung oder gar Niederlassungsleitung im In- oder Ausland übernehmen. Dabei trägst du jeweils die Rolle des Bauleiters oder der Bauleiterin und managst das Team auf der Baustelle, koordinierst den Personal-, Geräte-, und Materialeinsatz und hast ein Auge auf die Kosten.

Auch in einem Ingenieurbüro kannst du als Bauingenieur oder Bauingenieurin tätig werden. Dann übernimmst du praktisch alle Aufgaben, die bei einem Projekt anfallen. Also den Entwurf, die Planung, das Einholen aller Genehmigungen, die Berechnung, die Konstruktion, die Überwachung und die Steuerung des Bauvorhabens. Viele Ingenieurbüro spezialisieren sich auf einen Bereich, wie etwa den kommunalen Tiefbau, die Verkehrsplanung oder machen ausschließlich Umweltverträglichkeitsprüfungen.

Als Bauingenieur oder Bauingenieurin wirst du auch im öffentlichen Dienst gebraucht, denn einerseits treten der Bund oder die Bundesländer bei vielen Infrastrukturprojekte als Auftraggeber auf, andererseits müssen Bauvorhaben privater Investoren von den zuständigen Ämtern genehmigt werden. Im gehobenen und im höheren Dienst warten viele Aufgaben auf dich, du kannst die Raumplanung übernehmen, Verkehrswege planen oder auf den Umweltschutz achten.

Haftung von Bauingenieuren

Bauingenieure haben viel Verantwortung, denn Bauwerke müssen bestimmte Anforderungen bezüglich Sicherheit und Gebrauchstauglichkeit erfüllen. Werden diese missachtet, haftet der Bauingenieur für Schäden am Gebäude und/oder an Menschen, beispielsweise bei einem Einsturz. 

Ähnliche Berufe: Architekt, Bauzeichner, Bautechniker

Gehalt eines Bauingenieurs

Das Einstiegsgehalt eines Bauingenieurs liegt bei 30.000 € bis 45.000 € brutto/Jahr. Gehälter von Bauingenieuren mit einigen Jahren Berufserfahrung liegen bei 47.000 € bis 65.000 € brutto/Jahr. Abhängig von Erfahrung, Unternehmensgröße und Standort sind Gehälter von 85.000 € brutto/Jahr für Bauingenieure realistisch.

Deutschlandweit verdienen Bauingenieure im Schnitt 4.000 € brutto pro Monat. Die typische Gehaltsspanne liegt zwischen 2.830 € bis 6.150 € pro Monat. 

Wie sich der Abschluss und die Berufserfahrung auf das Gehalt auswirken und von welchen weiteren Faktoren es abhängig ist, erfährst du in unserem Artikel zum Gehalt eines Bauingenieurs.

Bei Bauingenieuren kommt eine Besonderheit hinzu: Tarifverträge. Bauingenieure arbeiten relativ oft in Unternehmen, die an Tarifverträge gebunden sind. Dabei handelt es sich um Verträge, die für bestimmte Regionen, Branchen und/oder Unternehmen gelten. In ihnen sind Arbeitsbedingungen wie Arbeitszeiten, Gehalt und Urlaub verbindlich geregelt. Davon profitierst du meistens, denn das Gehalt mit Tarifvertrag ist im Schnitt 20 % höher.

Potenzielle Branchen für Bauingenieure

So vielfältig wie die Aufgaben sind auch die Branchen, in denen Bauingenieure Fuß fassen können. Vieles ergibt sich jedoch auch durch die eigene Spezialisierung. Bauingenieure arbeiten unter anderem im Hoch- und Tiefbau, im Bergbau, bei Verwaltungsgesellschaften, Stadtwerken und Verkehrsbetrieben, in Bausoftware-Unternehmen, im Umweltschutz, bei Versicherungen und Forschungseinrichtungen.

Bewerbung als Bauingenieur

Besonderheiten gibt es bei der Bewerbung als Bauingenieur erstmal keine. Trotzdem kannst du einigen Dingen besondere Aufmerksamkeit schenken.

Dazu gehört es vor allem, deine Motivation im Anschreiben rüberzubringen, wieso du genau diesen Job willst. Im Idealfall belegst du deine Motivation auch anhand bereits gesammelter Berufserfahrung durch Praktika und Nebenjobs oder dem Schwerpunkt, den du in deinem Studium gewählt hast. So zeigst du am besten, dass edu es ernst meinst und nicht nur leere Worte von dir gibst. 

Weitere Tipps für deine Bewerbung findest du hier:

Fazit

Bauingenieure sind Gestalter der modernen Welt und haben einen abwechslungsreichen und verantwortungsvollen Beruf – auch im Sinne der Nachhaltigkeit. Sie müssen mit Knowhow und Kreativität die Probleme von heute lösen und an dabei schon an morgen denken, denn Bauvorhaben sind auf lange Dauer angelegt.

  • Bauingenieure betreuen Bauprojekte unter anderem im Hochbau, Tiefbau, Verkehrsbau und Wasserbau.
  • Als Bauingenieur kann es dich in die unterschiedlichsten Branchen verschlagen.
  • In der Regel wird ein Studium vorausgesetzt, um als Bauingenieur tätig zu sein.
  • Die Aufgaben variieren je nach Stelle, umfassen aber beispielsweise Konzeption, Berechnung, Projektmanagement, Qualitätssicherung, Baustoffprüfung, Schadstoffprüfung und Umweltschutz.
  • Das Gehalt variiert stark. Berufseinsteiger fangen mit etwa 30.000 € pro Jahr an, mit mehreren Jahren Erfahrung kann es auch um die 80.000 € betragen.

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