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Praxissemester: Recht auf Mindestlohn?

Arbeiten und davon leben können: Das ist das Ziel des gesetzlichen Mindestlohns, der 2015 in Deutschland eingeführt wurde. Ab dem 1. Januar 2017 wurde er von 8,50 Euro pro Stunde auf 8,84 Euro erhöht. Für Studenten gelten allerdings Ausnahmeregelungen. Hier erfährst du, wann du Anspruch auf den Mindestlohn in Deutschland hast und ob dir der Mindestlohn im Praxissemester oder beim Pflichtpraktikum zusteht.

Praktikum und Mindestlohn: Die Grundregeln

Ein Praktikum ermöglicht es Studenten, wertvolle berufliche Erfahrungen zu sammeln, die im Studium gelernte Theorie in die Praxis umzusetzen, Kontakte zu knüpfen und Referenzen für den Lebenslauf zu sammeln. In vielen Studiengängen ist daher ein Praxissemester oder ein Pflichtpraktikum fest eingeplant.

Doch nicht jeder kann es sich leisten, ein Vollzeit-Praktikum ohne Lohn oder für eine kleine Aufwandsentschädigung zu absolvieren. Die gute Nachricht zuerst: Praktikanten sind nicht generell vom Mindestlohn ausgeschlossen .

Es gibt durchaus Möglichkeiten, ein Praktikum mit Bezahlung durchzuführen. Wer beispielsweise ein freiwilliges Praktikum absolviert, das länger als drei Monate dauert, hat ab dem ersten Arbeitstag Anspruch auf den Mindestlohn. Dafür musst du mindestens 18 Jahre alt sein, denn die gesetzliche Regelung gilt nur für Erwachsene. Bei freiwilligen Praktika zur beruflichen Orientierung, die maximal drei Monate dauern, hast du hingegen keinen Anspruch auf den gesetzlichen Mindestlohn. Das gilt auch bei einem Praktikum ohne Immatrikulation, das du beispielsweise zur Vorbereitung auf ein Studium machst.

Verlängert sich dein unbezahltes Praktikum später auf mehr als drei Monate, steht dir jedoch der Mindestlohn rückwirkend ab deinem ersten Arbeitstag für die komplette Dauer des Praktikums zu. Einstiegsqualifizierungen sind ebenfalls vom Mindestlohn ausgenommen. Wer beispielsweise ein Praktikum nach dem Bachelor absolviert, um sich für einen Job zu qualifizieren, muss während der Praxisphase ebenfalls auf den Mindestlohn verzichten.

Kein Mindestlohn im Praxissemester

Beim Mindestlohn für Praktikanten gibt es eine weitere wichtige Ausnahme: Wenn im Rahmen deines Studiums ein Pflichtpraktikum oder sogar ein ganzes Praxissemester vorgesehen ist, muss dir dein Arbeitgeber dafür keinen Mindestlohn zahlen. Er kann dir ein geringeres oder gar kein Gehalt zusprechen. Diese Sonderregelung für den Mindestlohn im Praxissemester gilt nur für die Dauer der in der Studienordnung vorgeschriebenen Zeit.

Vereinbarst du mit deinem Unternehmen ein Praktikum, das diese Dauer überschreitet, steht dir anschließend der Mindestlohn im Praxissemester zu. Was heißt das konkret? Fordert deine Hochschule oder Universität von dir, dass du vier Monate lang arbeitest, gibt es für dieses Praktikum keinen Mindestlohn. Schließt du einen Praktikumsvertrag über sechs Monate ab, obwohl nur vier Monate für dein Pflichtpraktikum nötig sind, erhältst du für die letzten zwei Monate den Mindestlohn, denn das Praxissemester ist in dieser Zeit formal abgeschlossen.

Zwei Praktika im selben Unternehmen

Dieselbe Sonderregelung gilt, wenn du zwei Praktika in einem Unternehmen absolvierst. Ist das erste ein verbindliches Praktikum ohne Mindestlohn, aber das zweite ein freiwilliges Orientierungspraktikum, muss dir das Unternehmen für das zweite Praktikum den Mindestlohn zahlen, auch wenn es weniger als drei Monate dauert. Die Dauer beider Praktika wird zusammengerechnet, selbst wenn dazwischen eine Pause liegt.

Bei Praktika, die länger als drei Monate dauern, steht dir immer der Mindestlohn zu. Wenn du zwei einzelne, freiwillige Praktika im selben Unternehmen absolvierst, die jeweils nicht länger als drei Monate lang sind, steht dir der Mindestlohn für die gesamte Praktikumsdauer zu. Wichtig ist dabei nur, dass beide Praktika insgesamt länger als drei Monate dauern. Wenn du also zum Beispiel im Februar und März sowie im Juli und August bei einer Firma jeweils ein zweimonatiges Praktikum absolvierst, hast du aus gesetzlicher Sicht ein viermonatiges Praktikum absolviert. Für diese vier Monate erhältst du den vollen Mindestlohn, auch wenn du nicht vier Monate am Stück gearbeitet hast.

Bekomme ich nun Mindestlohn oder nicht?

Grundsätzlich gilt:

  • Du erhältst keinen Mindestlohn im Praxissemester oder Pflichtpraktikum für die Dauer, die deine Hochschule für verpflichtend in der Studienordnung vorschreibt.
  • Überschreitest du die obligatorische Dauer und arbeitest freiwillig länger, steht dir für diese zusätzliche Zeit der Mindestlohn auch im Praxissemester zu.
  • Bei einem freiwilligen Praktikum wird der Mindestlohn gezahlt, wenn es länger als drei Monate dauert.

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