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Analytisches Denken

Melanie StäbleinJuni 2020

Auf dem Weg in deinen Traumjob tauchen einige Anforderungen auf, die dein potentieller Arbeitgeber von dir erwartet. Neben Zuverlässigkeit, bestimmten fachlichen Qualifikationen und Motivation, geben Arbeitgeber in ihren Stellenanzeigen meistens auch Soft Skills als Voraussetzungen für eine Stelle an.

Deine persönlichen Eigenschaften entscheiden dann bereits im Anschreiben oder spätestens im Bewerbungsgespräch über eine Ab- oder Zusage. In einigen Branchen werden Soft Skills in Assessment Centern gezielt geprüft, die auch mal mehrere Tage dauern können oder über mehrere Termine verteilt sind.

Im Mittelpunkt steht für viele Arbeitgeber dabei die Fähigkeit des Bewerbers, analytisch zu denken und dies praktisch umzusetzen.

Inhalt

Definition: Was ist analytisches Denken?

Analytisches Denken (auch analytische Fähigkeit oder logisches Denken genannt) ist die Fähigkeit, Probleme zu erkennen, in ihre Einzelteile zu zerlegen und für eigenständig Lösungen entwickeln.

Mathematisches Können ist dabei weniger gefragt, viel eher geht es bei der Problemlösung um Logik und Kreativität.

Wird diese Eigenschaft in einer Stellenanzeige gefordert, musst du also keine Angst vor komplizierten Matheaufgaben im Vorstellungsgespräch haben. Deinem zukünftigen Arbeitgeber geht es vielmehr darum, dass du Sachverhalte verstehst, sie in einen Kontext einordnen und Ursachen-Wirkungs-Beziehungen aufstellen kannst. Diese Soft Skills sind bei Arbeitgebern sehr geschätzt und werden daher auch in vielerlei Hinsicht geprüft. 

Ist analytisches Denken gefragt, musst du also Folgendes können:

  • Situationen nachvollziehbar reflektieren
  • Sachverhalte und Problemstellungen in den Kontext einordnen
  • Aufgaben und Situationen logisch in einzelne Schritte unterteilen
  • Aufgaben strukturiert angehen
  • Zusammenhänge logisch erfassen und interpretieren, um eine Lösung zu finden.

Beispiele: So äußert sich analytisches Denken

Analytisches oder auch logisches Denken äußert sich dabei vor allem auch in der Fähigkeit, einzelne Faktoren in einen übergeordneten Zusammenhang zu stellen.

Oft bilden nämlich viele einzelne Schritte in einem Netz aus Wechsel- und Gegenwirkungen, Abhängigkeiten und Bedingungen den Weg zur Lösung.

In der Mathematik wird logisches Denken in Form von Zahlen dargestellt. Die Zahlen- und Zeichenabfolgen illustrieren dabei Denkvorgänge, um eine Aufgabe zu lösen.

Anders als in der streng an Zahlen orientierten mathematischen Welt, besteht das Ergebnis in vielen anderen Berufen oftmals aus mehr als der Summe aller Teile und es gibt meistens mehrere Wege zum Ziel.

Unverzichtbarer Bestandteil beim analytischen Denken ist auch die Fähigkeit, sich Prozesse und Situationen vorzustellen (Assoziationsfähigkeit). Denn oft werden Probleme von unterschiedlichen Faktoren aus der Umwelt beeinflusst.

Diese Einflüsse sind nicht immer offensichtlich. Analytisches Denken basiert zu großen Teilen auch auf deiner Erfahrung. Sie stellt einen Fundus an Erinnerungen und Kenntnissen zur Verfügung, die zu Problemstellungen und Lösungsansätzen hinzugezogen werden können.

Dein zukünftiger Arbeitgeber wird demnach auch immer begutachten, was du neben deiner Ausbildung oder deinem Studium gemacht hast, um deinen Horizont zu erweitern oder Erfahrungen zu sammeln.

Selbst fachlich hochqualifizierte Spezialisten mit besten Beurteilungen stoßen schnell an Limits, wenn logisches Denken oder analytisches Denken außerhalb ihres unmittelbaren Wissensfundus stattfindet.

Daher lohnt es sich, nicht nur auf gute Noten zu achten, sondern auch auf den Ausbau deiner Soft Skills durch Auslandsaufenthalte oder soziales Engagement.

Oft kannst du durch das Wissen über unterschiedliche Perspektiven und deine Erfahrung dadurch den faktisch höher qualifizierten "Fachidioten" ausstechen.

Denn gutes analytisches Denken fordert einen offenen und umfassenden Blickwinkel.

Analytisches Denken in der Bewerbung zeigen

Bei der Bewerbung in einem Unternehmen wird geprüft, inwiefern deine Kenntnisse zum Job passen und wie deine Vorgehensweise zu der des Teams passt.

Ist analytisches Denken in der Stellenanzeige als Anforderung gefragt, kannst du dies in deiner Bewerbung direkt berücksichtigen.

Besonders bei Führungspositionen wird viel Wert auf analytisches Vorgehen gelegt, sodass du besonders darauf eingehen solltest, wie du Methoden und strategische Modelle im Arbeitsalltag integrierst und sinnvoll nutzt.

Im Anschreiben

Das Anschreiben hilft dir deine Motivation auszudrücken und zu begründen, warum gerade du besonders gut zum Job passt.

Deine Fähigkeit analytisch zu denken, kannst du am besten durch Beispiele und Belege beweisen. Zum Beispiel wenn du...

  • ... bei einem Konfliktmanagement oder Leadership-Kurs teilgenommen hast
  • ... Projekte durchgeführt hast, bei dem du strategisch vorgegangen bist.
  • ... Hobbys hast, die einen analytischen Aspekt haben.
  • ... in einem Ehrenamt Planungs- und Entwicklungsaufgaben übernimmst.
  •  ... Tätigkeiten in deinem bisherigen Job Analysen beinhalten.
  • ... bereits an einem Planspiel in der Uni oder in der Schule teilgenommen hast.

Beschreibe die entsprechende Tätigkeit und wie sie dir geholfen hat, dich weiterzuentwickeln. Sprich über Details, die dich der Problemlösung näher gebracht haben. Erzähle von den Zielen, die durch die Vorgehensweise erreicht werden konnten.

Mögliche Formulierungen können sein:

  • "Neben meinen Aufgaben als Social Media Manager engagierte ich mich und unterstütze bei der Planung von Prozessen im Redaktionsteam."
  • "Das Projekt im Software-Bereich beinhaltete es, Innovationen und ihre Chancen zu bewerten. Durch eine Wettbewerbs- und Potenzialanalyse konnten wir in der Produktentwicklung eine durchführbare Anzahl von Anforderung definieren."
  • "Durch meine strukturierte Arbeitsweise wurde ich in meiner Hochschulgruppe zum Vorstand gewählt und wickelte alle Anfragen und Kooperationen mit Sponsoren ab."

Argumentiere nachvollziehbar und verwende Schlüsselbegriffe, die zum analytischen Denken passen: Prozessplanung, Analyse, Entwicklung, Struktur und so weiter.

Im Vorstellungsgepräch

Das Spektrum der Möglichkeiten, wie ein Personaler deine Soft Skills testen kann, reicht dabei von komplexen theoretischen Fallbeispielen, die durch analytisches Denken aufgelöst werden sollen, bis hin zu scheinbar aus dem Zusammenhang gerissenen Zwischenfragen.

Oft sind die Fragen zum logischen Denken im Bewerbungsgespräch im Konjunktiv gestellt oder fangen mit W-Fragen (Wie, Was, Woher, Wieso, etc.) an.

Sie verlangen nach situativer Reflexion, um korrekt in den Kontext eingebettet zu werden.

Beispielhaft sind Fragen wie "Wie würdest du das Problem XY lösen?", die eine Situation oder ein Problem vorgeben, für das du eine Strategie oder einen Lösungsansatz vorschlagen sollst, um zu einem fundierten und nachvollziehbaren Ergebnis zu kommen.

Folgende Fragen könnten dir gestellt werden, um im Vorstellungsgespräch dein analytisches Denken zu testen:

  • "Was verstehst du unter einem analytischen Vorgehen?"
  • "Wie gehst du vor, wenn du Probleme lösen musst?"
  • "Erzähle uns von Projekten und Arbeiten im Team und beschreibe, wie ihr vorgegangen seid."
  • "Welche Methoden wünscht du dir von deinem/deiner zukünftiger Chef/Chefin, wenn ihr an Probleme herangeht?"
  • "Wie misst du deinen Erfolg?"
  • "Wie bewertest du unterschiedliche Lösungsalternativen eines Problems?"

Solche Fragen zielen auf die Fähigkeit ab, Sachverhalte und Situationen zu erfassen.

Situationen sollten logisch strukturiert und daraus Lösungsansätze hergeleitet werden. Geprüft wird, ob du Zusammenhänge erkennst, Sachverhalte richtig interpretierst und diese nachvollziehbar darstellen kannst.

Eine schrittweise und strukturierte Herangehensweise an Probleme ist unter analytischem Denken zu verstehen.

In welchen Situationen und Jobs ist analytisches Denken gefragt?

Tätigkeiten ohne Handlungsspielraum, die wenig Platz für analytisches Denken zulassen, sind einfacher zu erledigen – hier musst du nicht mehr groß logisch Denken.

Ein typisches Beispiel für solche Aufgaben sind Routineaufgaben, wie das Toasten von Brot. Doch schon mit jedem Kontakt zu Menschen in deinem alltäglichen Umfeld ist logisches Denken wieder gefragt.

Denn im Dialog entsteht die Anforderung, eine Situation schnell zu verstehen und kontextuell richtig einzuordnen, um die gestellten Fragen richtig zu deuten und Lösungsansätze in Form von Antworten zu geben.

Logisches Denken wird im beruflichen Umfeld vor allem von Führungspositionen verlangt, denn die führende Person (das können Projekt- und Teamleiter, Abteilungsleiter, Vorstände, die obersten Chefs oder auch Manager sein) bettet jede Entscheidung in das Gesamtkonzept des Unternehmens ein.

Analytisches Denken stellt die Grundlage der strategischen Markt-, Kommunikations-, Personal- und Ressourcenplanung dar.

Falls du eine Führungsposition anstrebst, ist es wichtig, dir darüber bewusst zu werden, dass analytisches Denken eine der wichtigsten Fähigkeiten sein wird, über die du verfügen solltest.

Durch logisches Denken entstehen Entscheidungsspielräume, die richtig priorisiert werden müssen.

Das ist eine Kernkompetenz, die dir dabei hilft, unter Zeitdruck die Wichtigkeit von Aufgaben richtig abschätzen zu können.

Wenn analytisches Denken mit Mängeln behaftet ist, sind Fragestellungen wie "Warum hast du nicht daran gedacht, dass... ?" oder "Warum wurde diese Aufgabe nicht als erstes bearbeitet?" eine typische Konsequenz.

Daher lohnt es sich, das Priorisieren zu trainieren und sich bewusst bei jeder Aufgabe zu fragen: "Wieso mache ich das? Und wie wichtig ist diese Aufgabe im Gesamtzusammenhang zu Unternehmens- oder Abteilungszielen?"

Auch hier sind Verknüpfungen mit Erfahrungswerten und Begleitumständen unvermeidlich. Denn aus deiner bereits gesammelten Erfahrung heraus kannst du die Relevanz für das Unternehmen abwägen und Prioritäten besser einschätzen. Analytisches Denken heißt also auch immer, dass du den Sinn und den Ertrag für ein bestimmtes Ziel richtig einordnen musst.

Die folgenden Jobs benötigen eine besonders ausgeprägte analytische Fähigkeit:

Wie du logisches Denken trainieren kannst

Mathe war noch nie deine Stärke und auch sonst bist du eher der spontane impulsive Typ im Erledigen von Aufgaben? Keine Angst, du kannst logisches, strukturiertes und damit analytisches Denken gezielt trainieren und diese Fähigkeit mit regelmäßigen Übungen ausbauen.

Eine gute Möglichkeit sind zum Beispiel Strategiespiele. Sie schulen dein Denken und wie du mit unterschiedlichen Situationen umgehst Das können neben Brettspielen, wie zum Beispiel Schach auch Computerspiele sein.

Die Fachhochschule Köln konnte nachweisen, dass Computerspiele differenzierte kognitive Anforderungen an den Spieler stellen.

Analytisch-operatives sowie taktisches und strategisches Denken sind gefragt. Störungen wie beispielsweise der Gegenspieler regen fähige Gamer dazu an, flexibler und schneller zu agieren.

So finden sie sich schneller in einem Problemraum zurecht und verfügen über eine breitere Auswahl an Lösungsstrategien.

Teste dein Analytisches Denken:

Ein paar Denkaufgaben haben wir dir hier zusammengestellt. Probiere aus, wie es so mit deinem logischen Denken steht! Teste dich jetzt!

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