Campusjäger Karriereguide > Campusjäger Puls-Check > Puls-Check II: Wollen Studenten gründen?

Wo sind die Gründerinnen?

Auf Startup-Events muss man gezielt nach ihnen suchen. Und immer wieder sieht man Artikel und Studien, die behaupten und an Zahlen belegen, dass es weniger Gründerinnen als Gründer gibt. Darauf folgt meist der Ruf der Gründerszene, dass sich mehr Frauen trauen sollen, den Schritt zum eigenen Unternehmen zu wagen. Aber fehlt wirklich nur der Mut oder liegt es noch an ganz anderen Dingen?


Nur 10 bis 15 Prozent der Startups werden von Frauen gegründet – je nachdem welcher Statistik man vertraut. Die häufigsten Gründe, die dafür genannt werden, sind fehlende Risikobereitschaft und die Einstellung, dass Selbständigkeit und Familie nur schwer miteinander vereinbar sind. Oft wird auch die Vorstellung der Gründerszene als reine Männerdomäne erwähnt, die viele Frauen abschreckt. Und Frauen passen ja sowieso nicht in Führungspositionen. Von verständlichen Gründen bis hin zu absurden Behauptungen und Vorurteilen ist alles dabei. Insbesondere die Gründerszene beschäftigt sich mit dem Wieso, aber auch immer mehr mit dem Was können wir tun? Eine gute Nachricht vorweg: Die Zahl der Frauen steigt, die ihr eigenes Unternehmen gründen. In den unterschiedlichsten Branchen, von FinTech bis Mode. Eine kleine Verbesserung lässt sich also schon erahnen.

Gründungsscheue Frauen

Also, was ist dran an den Gründen, die so oft genannt und unterstellt werden? Campusjäger hat sich im zweiten Puls-Check mit der Frage beschäftigt, was Studenten motiviert zu gründen. Dabei waren auch die Unterschiede zwischen Männern und Frauen bei der Auswertung interessant. Auf den ersten Blick scheint es sich zu bestätigen: es sind nicht nur weniger Frauen in der Gründerszene aktiv, überhaupt planen auch deutlich weniger Frauen, zu gründen. Lediglich 35 Prozent der befragten Frauen haben sich bereits intensiv mit dem Thema Gründen auseinandergesetzt und nur geringfügig mehr – 38 Prozent – wollen sich selbständig machen.

Gerade im Vergleich zu den 72 Prozent der Männer, die gründen wollen, zeigt sich ein deutlicher Unterschied. Anscheinend ist die grundsätzliche Bereitschaft zu gründen unter Männern höher als bei Frauen. Aber woran liegt das?

Um möglichst wenig spekulieren zu müssen, wurde auch gezielt nach den Gründen gefragt. Hier kann Entwarnung gegeben werden, denn sie unterscheiden sich nach Geschlecht nur in wenigen Fällen. Frauen, die kein Unternehmen gründen wollen, geben als häufigste Gründe an: Ein zu hohes Risiko (69 Prozent), zu hoher Aufwand (34 Prozent) und fehlendes Knowhow (30%). Aber Überraschung! Verglichen mit den Angaben der Männer zeigen sich nur geringfügige Unterschiede. Zwar scheinen diese etwas risikofreudiger zu sein, denn nur 62 Prozent geben das als Grund an, nicht gründen zu wollen, aber dafür scheuen 42 Prozent den Aufwand und 32 Prozent wissen nicht wie sie das anstellen sollen.

Die Unterschiede sind also gering. Je nachdem wie Risikobereitschaft bei Unternehmungsgründungen gewertet wird, kommen Frauen sogar besser weg. Der einzige deutliche Unterschied zeigt sich beim Einfluss der Familie auf die Karriere. Knapp 18 Prozent der Frauen halten Unternehmertum nicht mit der Familienplanung für vereinbar, während nur 3 Prozent der Männer das so sehen.

Starke Schwächen

Bei Frauen zeigt sich also eine geringere Risikobereitschaft und eine größere Orientierung am Privatleben. Häufig als Schwächen belächelt, sind genau das Stärken, die Frauen in Führungspositionen beliebt und ihre Unternehmen erfolgreich machen. Denn nicht nur in der Familie, sondern auch in Unternehmen sorgen Frauen für Zusammenhalt. Sie gehen eher auf ihr Gegenüber ein, können Mimik und Gestik besser deuten und sind fürsorglicher. Das wird von Mitarbeiter als Wertschätzung empfunden, was das Team stärkt und letztlich für eine hohe Produktivität sorgt. 

Aber auch die geringere Risikobereitschaft ist von Bedeutung, denn sie resultiert in guter Planung und Organisation. Frauen brauchen daher zwar länger bis zur tatsächlichen Gründung, dafür sind ihre Unternehmen nachhaltiger und können mit Krisen besser umgehen. Kehrseite der Medaille ist jedoch ein eher langsameres Wachstum im Vergleich zu männlichen Gründern. Aber auch das ist nicht in Stein gemeißelt. Beispiele Gründerinnen, die schnell äußerst erfolgreich waren, gibt es einige. Outfittery, Modomoto, Amorelie, DaWanda und und und.

Wieso, weshalb, warum

In der Umfrage wurde auch nach den Gründen gefragt, die für ein eigenes Unternehmen sprechen. Hier finden sich mitunter deutlichere Unterschiede in der Motivation. Jedoch sind die drei am häufigsten genannten Gründe identisch mit denen der Männer. Die Befragten sind vor allem dadurch motiviert, etwas Neues aufzubauen und der eigene Chef zu sein. Etwas in der Welt bewegen zu wollen ist der dritthäufigste Grund und wurde, im Gegensatz zu den ersten beiden, relativ gesehen öfter von Frauen angegeben.

Während es sich hierbei vor allem um ideelle Wert handelt, unterscheiden sich die Geschlechter dafür umso deutlicher bei den materiellen Werten. 61 Prozent der Männer wollen gründen, in der Erwartung mehr Geld zu verdienen, als in einem Angestelltenverhältnis. Diese Begründung wurde lediglich von 31 Prozent der Frauen angegeben. Ein Unternehmen gründen zu wollen, um möglichst schnell zu wachsen und zu verkaufen wurde insgesamt nur von wenigen Befragten genannt (11 Prozent). Es fällt aber auf, dass dies für 15 Prozent der Männer und nur 4 Prozent der Frauen in Frage kommt.

Wer will wann gründen?

Während ein großer Teil (26 Prozent) der Befragten noch keine genaue Vorstellung davon hat, wann sie ihr Unternehmen gründen, lässt sich erkennen, dass Frauen eher zu einem späteren Zeitpunkt tendieren. Während des Studiums wollen 18 Prozent der Männer gründen, gegenüber 3 Prozent seitens der Frauen. Im Anschluss an das Studium und in den ersten Jahren danach zeigen sich wiederum weniger Unterschiede. Dafür ist die Differenz größer, wenn es um die Gründung in zehn und mehr Jahren nach dem Studium geht. 9 Prozent der Männer planen so langfristig, während es für 24 Prozent der Frauen erst in dem Zeitraum in Frage kommt. Die Aussage könnte mit der Familienplanung korrelieren, was darauf schließen ließe, dass Frauen vor dem Unternehmen eine Familie gründen wollen.

Unterm Strich

Auch wenn sich in den Antworten der Befragten nur geringfügige Unterschiede zeigen, lässt sich dennoch ein Trend erkennen: Generell denken weniger Frauen darüber nach, ein Unternehmen zu gründen. Wenn sie es fest in ihre Karriere eingeplant haben, dann eher einige Jahre nach dem Studium. Dies zeigt sich auch in der geringere Risikobereitschaft im Vergleich zu Männern. Dafür sind sie überwiegend von ideellen Werten getrieben, als vom großen Geld und scheuen sich weniger vor dem Aufwand. Sie punkten mit Stärken, die leider allzu oft als Schwächen ausgelegt werden. Die Ergebnisse sprechen aber für sich.

Um ein richtiges Fazit ziehen zu können, sind die Gründe für oder gegen eine solche Entscheidung zu individuell und hängen von viel mehr Faktoren ab, als sich hier darstellen lassen. Man darf auch nicht vergessen, dass es nicht für alles handfeste Gründe geben muss. 30 Prozent der Befragten, die nicht gründen wollen, geben als Grund an, schlichtweg kein Interesse daran zu haben. Nicht jeder sieht seine Erfüllung darin und das ist auch gut so.

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