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Entscheidung zwischen zwei Jobs – So machst du's richtig

Du hast gleich zwei Jobangebote auf dem Tisch? Herzlichen Glückwunsch, das ist toll!

Da die Wahl aber bekanntlicherweise oft ihre kleine Schwester, die Qual, im Schlepptau hat, weißt du jetzt nicht, für welchen der beiden Jobs du dich entscheiden sollst?

Wir geben dir eine Entscheidungshilfe an die Hand und sagen dir, was du tun kannst, wenn dir die Entscheidung unmöglich und kein Grund eindeutig für oder gegen einen der beiden Jobs zu sprechen scheint.

Inhalt

Wie treffen wir eigentlich Entscheidungen?

Von der Antike bis ins 20. Jahrhundert war die herrschende Meinung: Menschen entscheiden rational. Gefühle stören dabei nur. Auch heute kennen wir beide Aussagen nur zu gut: „Das muss gut überlegt sein“ oder „Hör auf dein Bauchgefühl!“.

Aber was stimmt denn nun? Entscheiden wir rational oder gefühlsbasiert?

Die kurze Antwort darauf ist, dass es weder pure Bauch-, noch pure Kopfentscheidungen gibt.

Bauchentscheidungen – oder intuitive Entscheidungen – treffen wir in 0,2 Sekunden. Im Nachhinein können wir nicht wirklich festmachen, wieso wir uns für das eine oder gegen das andere entschieden haben.

Im Gegensatz dazu wägen wir bei unseren Kopfentscheidungen verschiedene Alternativen und Gründe gegeneinander ab und erlangen so eine objektivere Sicht auf die Dinge.

Doch pure Bauch- oder Kopfentscheidungen gibt es laut aktuellem Wissensstand so nicht. Intuitive Entscheidungen beruhen meist auf Erfahrungen, die wir bereits gemacht haben, oder erlernten, routinierten Entscheidungsmustern.

Der Kopf klinkt sich also auch in den 0,2 Sekunden mit ein.

Auf der anderen Seite zeigt die Wissenschaft, dass die Hirnregion, die für die Emotionen zuständig ist – unser limbisches System – sich auch an diesen Entscheidungen beteiligt. Das seit langer Zeit angestrebte Ideal der rein rationalen Entscheidung ist in der Realität so also gar nicht umsetzbar.

Entscheidung zwischen zwei Jobs – So gehst du vor

Die folgenden vier Schritte bringen Licht in das Dunkel deiner Entscheidung:

Du weißt bei einem Kriterium nicht, ob der Jobs dieses erfüllt? Dann hole dir mehr Informationen ein. Entweder direkt beim Arbeitgeber, über Mitarbeiter, die Firmenhomepage oder Arbeitgeberportalen. Für deine Entscheidung ist es wichtig, dass dir möglichst viele Informationen bereit stehen.

  1. Schritt: Wie entscheidest du dich zwischen zwei Jobs?

    Um eine überlegte Entscheidung treffen zu können, solltest du dir darüber im Klaren sein, was deine Vorstellung eines (neuen) Beschäftigungsverhältnisses sind.

    Was erwartest du, was wünscht du dir, was ist dir wichtig?

    Frage dich: Was ist mir wichtig an einem Job?

    • Möchte ich einen möglichst kurzen Arbeitsweg?
    • Lege ich Wert auf ein bestimmtes Gehalt?
    • Möchte ich meinen Hund mit ins Büro bringen?
    • Welche Arbeitsinhalte interessieren mich am meisten?
    • Was schätze ich an einem Team?
    • Was für eine Unternehmenskultur stelle ich mir vor?
    • Ist es mir wichtig, dass der Job Abwechslung, Sicherheit, Karrierechancen … bietet?
    • ...
  2. Schritt: Wie entscheidest du dich zwischen zwei Jobs?

    Nachdem du jetzt – hoffentlich – eine bessere Ahnung davon hast, was dir wichtig an einem Job ist, musst du die Kriterien in einem nächsten Schritt priorisieren.

    Wie wichtig sind dir die einzelnen Aspekte?

    Schreibe am besten alle untereinander auf ein Blatt Papier und gewichte jedes Kriterium mit einem Wert von 1 bis 3.

    Ein Wert von 1 bedeutet dabei: Ist mir nicht so wichtig oder geht auch ohne.

    3 bedeutet: Ist mir sehr wichtig oder geht auf keinen Fall ohne.

    Wichtig: Es passiert oft, dass wir gesellschaftliche Erwartungen als unsere eigenen Ziele begreifen. Dabei merken wir nicht, dass das eigentlich gar nicht das ist, was wir wollen, sondern das, was von der Gesellschaft als erstrebenswert erachtet wird. Gesellschaftlich wird uns beispielsweise gesagt, dass wir nach Jobs in hohen Positionen streben sollten. Doch nicht jede Person wird in einer Managerposition glücklich. Hinterfrage also kritisch, ob es wirklich das ist, was du willst, oder vielleicht doch nur ein Ziel von dem du ausgehst, dass du es wollen solltest.

  3. Schritt: Wie entscheidest du dich zwischen zwei Jobs?

    Hier gehst du gedanklich noch einmal zurück zu den Jobangeboten. Wie sind diese hinsichtlich der von dir aufgeschriebenen Kriterien einzustufen?

    Vergib hier am besten Werte von 1 bis 5. Ein Wert von 1 beschreibt dabei, dass der Aspekt in dem Job kaum bis gar nicht gegeben ist, während 5 sagt, dass das Kriterium zu 100% bei dieser Stelle erfüllt wird.

    Du weißt bei einem Kriterium nicht, ob der Job dieses erfüllt? Dann hole dir mehr Informationen ein. Entweder direkt beim Arbeitgeber, über Mitarbeiter, die Firmenhomepage oder Arbeitgeberportale. Für deine Entscheidung ist es wichtig, dass dir möglichst viele Informationen bereitstehen.

  4. Schritt: Wie entscheidest du dich zwischen zwei Jobs?

    Im vierten und letzten Schritt wendest du deine mathematischen Fähigkeiten an. Multipliziere den Wert deiner Gewichtung der Kriterien mit der Bewertung des Jobs hinsichtlich dieses Aspekts.

    Anschließend addierst du die einzelnen Werte.

    Schlussendlich spricht mehr für den Job, der eine höhere Punktzahl aufweist.

Das Bild zeigt einen beispielhaften Entscheidungsprozess zwischen zwei Jobs.

Bei dem Beispiel in der Tabelle würdest du dich für das zweite Jobangebot entscheiden. So hast du innerhalb kürzester Zeit eine gut überlegte Entscheidung getroffen.

Das Münzwurfphänomen

Einer der beiden Jobs hat eine bessere Punktzahl erreicht, aber irgendwie bist du mit dem Ergebnis nicht zufrieden?

Das kann daran liegen, dass du vielleicht unterbewusst doch bereits eine Präferenz hattest, die sich durch die gewichtete Entscheidungsanalyse nun herauskristallisiert hat.

Kennst du das, wenn du eine Münze wirfst, um dich zwischen A und B zu entscheiden? Oft ist es dabei egal, auf welcher Seite die Münze schlussendlich landet. So ein Münzwurf kann den geistigen Nebelschleier lichten, der manche Entscheidung umgibt, und eine bereits unbewusst getroffene Entscheidung sichtbar machen.

Bei der Entscheidung zwischen zwei Jobs solltest du auch die langfristigen Auswirkungen dieser Entscheidung in den Blick nehmen.

Frage dich:

  • Welche Auswirkungen hat meine Entscheidung für Job 1 / Job 2 in 10 Tagen?
  • Welche Auswirkungen hat meine Entscheidung für Job 1 / Job 2 in 10 Monaten?
  • Welche Auswirkungen hat meine Entscheidung für Job 1 / Job 2 in 10 Jahren?

 

Harte Entscheidungen – Wenn eine Entscheidung unmöglich scheint

Trotz gewichteter Entscheidungsanalyse hat sich keiner der beiden Jobs als der bessere herausgestellt?

Der eine Job ist vielleicht besser hinsichtlich eines Kriteriums, während der andere die Nase hinsichtlich eines anderen Kriteriums vorn hat: Ganzheitlich gesehen ist aber kein Job besser als der andere?

Dann stehst du laut der Philosophin Ruth Chang vor einer harten Entscheidung.

Harte Entscheidungen sind Entscheidungen, bei denen keine der Alternativen besser ist als die andere. Und wenn keine Alternative besser ist als die andere, hilft auch eine rationale Entscheidungsanalyse – wie wir es oben versucht haben – weiter. Der Sinn dahinter ist es ja gerade herauszufinden, welche Alternative besser ist.

Es ist ein Fehler davon auszugehen, dass wir uns bei harten Entscheidungen einfach mehr anstrengen müssen, um die Gründe zu finden, die eher für die eine als die andere Alternative sprechen. Es gibt schlichtweg keine Gründe. Deshalb sind es harte Entscheidungen.

Hard choices are hard not because of us or our ignorance; they’re hard because there is no best option.

Ruth Chang, Philosophin

Laut Ruth Chang haben wir bei solchen Entscheidungen die Aufgabe, selbst Gründe zu erschaffen, die schlussendlich eine Alternative über die andere heben.

Wie erschaffen wir diese Gründe?

Indem wir uns fragen, was für eine Person wir sein möchten. Harte Entscheidungen geben uns die Möglichkeit unser Leben so zu gestalten wie wir es möchten. Die Entscheidung ist durch keine rationalen, äußeren Gründe beschränkt. Die Gründe kommen aus uns selbst und spiegeln somit wider, wer wir sein möchten. Mit harten Entscheidungen schlagen wir die Wege ein, die unser Leben nach unseren Vorstellungen gestaltet.

Wie soll mein Leben aussehen? Was für ein Mensch werde ich, wenn ich Job 1 wähle und möchte ich dieser Mensch sein?

Harte Entscheidungen geben uns die Möglichkeit, Gründe für uns selbst zu erschaffen. Durch diese Gründe können wir die Person werden, die wir sein möchten.

Frage dich: Welche Person werde ich mit Job 1 / Job 2 und möchte ich diese Person sein? Wie würde mein Leben mit Job 1 / Job 2 aussehen und möchte ich dieses Leben führen?

Wir möchten dir den Ted Talk von Ruth Chang ans Herz legen, um genau zu verstehen, wie wir harte Entscheidungen meistern können und welche Möglichkeiten sich für uns durch sie ergeben.

Wenn du die Antworten auf diese Fragen suchst, kann es helfen dich an enge Freunde, deine Familie oder deinen Lebenspartner zu wenden, die dich gut kennen. Vieles ergibt sich im Austausch mit anderen.

Wie kommunizierst du deinen Entscheidungsprozess gegenüber den Unternehmen?

Arbeitgeber erwarten eine baldige Antwort auf ein Jobangebot und es ist wichtig, dass du dir nicht mehr als ein paar Tage Zeit für deine Entscheidung lässt.

Wenn du mehr als zwei Tage für deine Entscheidung benötigst, empfehlen wir dir, um Bedenkzeit bei den Unternehmen zu bitten.

Du kannst einerseits ehrlich sein und sagen, dass du noch ein weiteres Angebot auf dem Tisch hast oder du nennst einen anderen Grund, weshalb du noch etwas Bedenkzeit benötigst.

Ehrlichkeit währt bekanntlich am längsten und wenn der Arbeitgeber wirklich an dir interessiert ist, bessert er vielleicht von sich aus sein Angebot sogar noch einmal nach, um dir so die Entscheidung zu erleichtern. Darauf solltest du allerdings nicht spekulieren. Gleichzeitig gehst du mit Ehrlichkeit an dieser Stelle das Risiko ein, dass der Arbeitgeber sich als zweite Wahl sieht oder den Eindruck bekommt, dass du dir nicht hundertprozentig sicher bist, ob du diese Stelle überhaupt möchtest.

Wenn du einen anderen Grund für die Bedenkzeit nennen möchtest, kannst du beispielsweise sagen, dass das Angebot sehr umfangreich ist und du noch etwas Zeit brauchst, um es zu prüfen oder du möchtest erst noch in Ruhe mit deiner Familie darüber sprechen.

Um Bedenkzeit zu erbitten, kannst du bei den Arbeitgebern anrufen. Betone, dass du weiterhin an der Stelle interessiert bist, aber noch weitere Angebote hast oder noch Zeit brauchst, das Angebot zu prüfen. Und weil du dich ganz bewusst für die Stelle entscheiden möchtest, benötigst du noch ein paar Tage, um alles gegeneinander abzuwägen.

Gut ist es auch, wenn du dabei mit den Arbeitgebern direkt einen Tag ausmachst, bis wann du ihnen schlussendlich Bescheid gibst. Dann wissen sie, wann sie mit deiner Antwort rechnen können und du schiebst die Entscheidung nicht unnötig vor dir her.

Fazit – Wie du dich zwischen zwei Jobs entscheidest

Wenn du dich zwischen zwei Jobangeboten entscheiden musst und dein Bauchgefühl dich in keine eindeutige Richtung schubst, dann empfehlen wir dir mit einer gewichteten Entscheidungsanalyse ein wenig Licht ins Dunkle zu bringen.

Falls sich keiner der beiden Jobs als die bessere Alternative herauskristallisieren sollte, stehst du vor einer harten Entscheidung.

Dann solltest du aufhören nach Gründen zu suchen, denn es gibt schlichtweg keine.

Du musst deine eigenen Gründe für einen der beiden Jobs erschaffen, indem du dich fragst, welche Person du sein möchtest und mit welchem der beiden Jobs du das eher erreichen kannst.

 

Du hast eine Entscheidung getroffen? Das ist super, Glückwunsch!

Dann solltest du deine Bewerbung bei dem anderen Unternehmen zurückziehen und den Bewerbungsprozess somit ordentlich abschließen. Getreu dem Motto: Man sieht sich immer immer zweimal im Leben, solltest du dabei ein paar Dinge beachten.

Wie ziehe ich meine Bewerbung zurück?

Veröffentlicht am 16.09.2020, aktualisiert am 18.09.2020

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