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Probearbeiten – Ihre Rechte und Pflichten als Arbeitgeber
Das müssen Sie am Probearbeitstag beachten

Haben Sie sich schon mal gefragt, wie Sie nach einem Bewerbungsgespräch entscheiden sollen, ob ein Bewerber – am besten für die nächsten Jahre – zur Stelle passt?

Schwierig, oder? Also mal ernsthaft. Die Entscheidung kann ganz schön überfordern. Genauso wie den Bewerber, für ihn ist es nicht viel leichter sich “richtig” zu entscheiden.

Restzweifel werden sich wohl auch nie ganz aus dem Weg räumen lassen, aber wenn Sie Bewerber zum Probearbeiten einladen, können Sie beide sich zumindest schon mal ein besseres Bild machen.

Welche Rechte und Pflichten Sie als Arbeitgeber haben und wie Sie es dem Bewerber möglichst angenehmen machen, erfahren Sie hier.

Was sagt das Arbeitsrecht zur Probearbeit?

Arbeitsrechtlich ist das Probearbeiten eine legitime Form der Personalauswahl und gilt als “Einfühlungsverhältnis”. Ohne den Druck und die Verpflichtungen eines richtigen Arbeitsverhältnisses haben Sie die Möglichkeit, den Kandidaten unverbindlich kennenzulernen und sehen, ob sie langfristig zusammenarbeiten möchten.

Da kein Arbeitsverhältnis besteht, haben Sie auch keine Weisungsbefugnis (aber natürlich Ihr Hausrecht). Sie können den Bewerber also nicht zwingen oder belangen, wenn er Aufgaben nicht nachkommt. Alles passiert auf freiwilliger Basis – natürlich ist es aber sinnvoll, wenn er sich an der ein oder anderen Aufgabe versucht, um das Unternehmen und die Arbeit besser kennenzulernen.

Allerdings gibt es ein paar Dinge, auf die Sie achten müssen, damit aus der Probearbeit nicht versehentlich ein Anstellungsverhältnis wird. Dazu gehört unter anderem die Dauer des Probearbeiten, die Vergütung und die Aufgaben.

 

Übrigens: Probearbeit und Probezeit werden gerne synonym verwendet, meinen aber zwei unterschiedliche Dinge: Die Probearbeit geht dem Arbeitsverhältnis voraus und ist auf wenige Tage beschränkt, die Probezeit beschreibt hingegen die ersten Monate eine Arbeitsverhältnisses.

 

Die Ausrede, dass kein Vertrag unterschrieben wurde oder ausschließlich ein Probearbeiten vereinbart wurde, zählt nicht. Denn der Inhalt ist entscheidend: Wird der Bewerber wie ein regulärer Mitarbeiter behandelt, besteht ein Arbeitsverhältnis.

Das kann übrigens auch mündlich geschlossen werden, ein schriftlicher Arbeitsvertrag ist nicht zwangsläufig notwendig. Genau das passiert, wenn die Grenzen des Einfühlungsverhältnisses überschritten werden: Dies wird als stillschweigender Abschluss eines Arbeitsverhältnisses gewertet. Indizien, die das Arbeitsgericht gegebenenfall für ein Arbeitsverhältnis auslegt, sind:

 

  • Der Bewerber soll am Probetag bestimmte Arbeitszeiten (und Pausenzeiten) einhalten
  • Der Bewerber erhält eine Vergütung für die Probearbeit
  • Der Bewerber soll Dienstkleidung tragen
  • Der Bewerber erhält Aufgaben vom Chef, die denen regulärer Mitarbeiter gleichen
  • Der Bewerber muss bestimmte Arbeitsorte aufsuchen und/oder

 

Was, wenn Sie versehentlich ein Arbeitsverhältnis geschlossen haben?

Falls trotz aller Bemühungen die Grenzen des Einfühlungverhältnisses überschritten wurden und dies auch vor Gericht bestätigt wurde, besteht ein Arbeitsverhältnis. Zunächst heißt das erstmal, dass die bisher geleistete Arbeit vergütet werden muss.

Zusätzlich muss – falls Sie das wollen – das Arbeitsverhältnis ordentlich gekündigt werden. Das heißt Sie müssen die gesetzlichen Kündigungsfristen einhalten. Und auch wenn Sie das sofort umsetzen, müssen Sie sich wohl auf die Zahlung von mindestens einem Monatsgehalt gefasst machen.

Muss Probearbeiten bezahlt werden?

Grundsätzlich nicht. Jedenfalls solange es sich tatsächlich um ein Probearbeiten handelt. Aber rutschen Sie in ein Arbeitsverhältnis, hat der Bewerber (bzw. dann schon Mitarbeiter) natürlich Recht auf eine angemessene Vergütung.

Was Sie aber machen können: Dem Bewerber eine Aufwandsentschädigung bezahlen. Zum Beispiel können Sie die Fahrtkosten übernehmen oder den Zeitaufwand honorieren. Hierbei muss aber eindeutig festgehalten werden, dass es sich dabei nicht um eine Vergütung für die erbrachte Arbeitsleistung handelt. Denn dies würde wiederum für ein ordentliches Arbeitsverhältnis sprechen.

Wie lange ist Probearbeiten erlaubt?

Da Probearbeit gesetzlich eher locker gehandhabt ist, gibt es auch nicht direkt eine Vorgabe, wie lange Sie einen Bewerber maximal zum Probearbeiten einladen dürfen. Am häufigsten kommt es aber zum Probearbeitstag. Oft sind auch nur einige Stunden vormittags oder nachmittags ausreichend.

Je nach Job und Branche kann es aber sein, dass dieser kurze Zeitraum nicht ausreicht, um sinnvolle Aussagen zu treffen. Beispielsweise können durch feststehende Arbeitsprozesse wesentliche Aufgaben an unterschiedlichen Tagen anfallen. Gehören diese Prozesse zum Berufsalltag der Stelle, ist es in Ordnung das Probearbeiten auf mehrere Tage auszuweiten.

Länger als eine Woche sollte das Probearbeiten aber nicht dauern. Sonst stellt sich berechtigterweise die Frage, ob es sich nicht viel eher um ein ordentliches Arbeitsverhältnis handelt – mit den entsprechenden Konsequenzen für Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Daher gilt: je kürzer, desto besser.

Welche Aufgaben dürfen an einem Probetag gestellt werden?

Dem Bewerber können Sie nicht einfach die gleichen Aufgaben geben, wie Ihren Mitarbeitern. Am besten hospitiert er nur, sprich: Er schaut sich an, wie der Arbeitsalltag bei Ihnen aussieht.

Davon gewinnen Sie aber kaum Einblicke in die Arbeitsweise des Kandidaten. Daher ist es auch in Ordnung, wenn er kleinere Aufgaben oder Teilaufgaben selbständig übernimmt. Diese sollten aber nach Möglichkeit keine “verwertbare Arbeitsleistung” darstellen, denn das würde bereits wieder auf ein Arbeitsverhältnis hindeuten.

In jedem Fall sollte zu Beginn des Tages darauf hingewiesen werden, dass der Kandidat nicht dazu verpflichtet ist, den Aufforderungen nachzukommen, sondern alles auf freiwilliger Basis tut.

Versicherungen beim Probearbeiten

Auch ein klarer Fall: Besteht kein Arbeitsverhältnis, gilt auch nicht der gesetzliche Versicherungsschutz. Stattdessen greift im Falle eines Unfalls die private Unfallversicherung des Bewerbers.

 

Wird aber festgestellt, dass bereits ein Arbeitsverhältnis bestand, greift zwar die gesetzliche Versicherung, allerdings müssen Sie gegebenenfalls mit Forderungen seitens der Berufsgenossenschaft rechnen.

 

Ausnahme sind arbeitslose Bewerber, die arbeitssuchend gemeldet sind. Werden sie von der Agentur für Arbeit angewiesen, zum Probearbeiten zu erscheinen, besteht der gesetzliche Versicherungsschutz.

Bei Sachschäden an Firmeneigentum greift die private Haftpflichtversicherung des Bewerbers. Daher ist es gegebenenfalls in Ihrem Interesse, vor dem Probearbeiten zu überprüfen, ob der Kandidat versichert ist.

Muss man das Probearbeiten anmelden?

Nein. Bewerber, die zum Probearbeiten eingeladen werden, müssen weder dem Finanzamt noch den Sozialversicherungsträgern gemeldet werden. Das aber auch nur, solange es eben beim Probearbeiten bleibt.

Bringt ein Vertrag etwas?

Aus den bisher genannten Gründen lohnt es sich, im Vorfeld eine Vereinbarung zu erstellen. Diese kann im Falle einer gerichtlichen Auseinandersetzung als Grundlage dienen. Denken Sie aber daran, dass trotz dieser Vereinbarung ein Arbeitsverhältnis entstehen kann, sobald die Limitierungen überschritten werden.

Die Vereinbarung über das Probearbeiten sollte mindestens beinhalten:

 

  • den Namen des Kandidaten und des Unternehmen
  • den Ort und Zeitraum des Probearbeitens
  • den Ansprechpartner des Kandidaten
  • einen Hinweis darauf, dass der Kandidat nicht zur
  • Arbeitsleistung verpflichtet ist und daher auch keine Vergütung erhält
  • Vermerk, dass das Hausrecht des Unternehmens gültig ist
  • Vermerk, dass das Probearbeiten jederzeit sowohl von dem
  • Kandidaten als auch dem Unternehmen mündlich beendet werden kann

Den Probearbeitstag vorbereiten

Egal ob es sich nun um Stunden, einen oder mehrere Tage handelt: Das Probearbeiten sollte von Ihnen genauso gut vorbereitet sein wie das Bewerbungsgespräch, damit Sie die knappe Zeit für das Wesentliche nutzen können.

Sie sollten sich daher vor allem fragen, was Sie sich von dem Bewerber versprechen und welche Anforderungen dieser mitbringen soll (Stichwort: Personalauswahl). Was erwarten Sie? Was soll der Bewerber auf jeden Fall kennenlernen? Welche Kollegen sollten einbezogen werden?

In dem Rahmen können Sie sich dann auch überlegen, inwiefern Sie den Bewerber in die Arbeitsprozesse einbeziehen können und welche kleineren Aufgaben er selbständig erledigen kann (natürlich unter Beachtung der oben genannten Tipps).

Konkret heißt das:

 

  • Ernennen Sie einen Ansprechpartner, der in dieser Zeit für den Bewerber verantwortlich ist
  • Bereiten Sie einen Arbeitsplatz vor und legen Sie wichtige Arbeitsmaterialien bereit
  • Erzählen Sie Ihrem Team, dass ein Bewerber vor Ort ist und stellen Sie ihn vor

Grundsätzlich sollten Sie das Probearbeiten als Teil eines mehrstufigen Bewerbungsprozesses sehen: Bewerbung – Vorstellungsgespräch – Probearbeiten – Einstellung. Beschäftigen Sie sich mit jedem dieser Schritte intensiv, erreichen Sie die besten Ergebnisse und können sich über Mitarbeiter freuen, die wirklich in Ihr Unternehmen passen.

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